„Wo sind denn die Bücher?“ so hat unlängst ein Besucher aus Uslar bei einer Lesung gefragt. Unausgesprochen schwang darin seine selbstverständliche Erwartung mit: In einer Kirche der Bücher muss doch auch Bücher geben. Also mehr als das eine, das auf dem Altar liegt. Damit hat er etwas getroffen, was von Anfang an vorgesehen war. Die besondere Widmung der Gewissenruher Kirche soll auch außerhalb von Veranstaltungen sichtbar werden.

Nur hatten wir uns mit baulichen Veränderungen Zeit gelassen, um erstmal abzuwarten, ob das Konzept der `Lesungen und Musik´ auch dauerhaft greift. Dieses Zutrauen ist jetzt gewachsen und wir sind zur Tat geschritten. Nach Ostern wurden in der Gewissenruher Kirche unter der Empore insgesamt drei Kirchenbänke entfernt und sachgerecht eingelagert. Das ermöglichte den Einbau von seitlichen Bücherregalen, die ein Schreiner aus Eichenholz gefertigt hat. Inzwischen sind wir dabei, die Fächer nach und nach mit Lesenswertem zu füllen.

Durch die Entnahme der Bänke ist eine Bewegungsfläche entstanden, die bei Bedarf bestuhlt werden kann. Ansonsten wird dort ein behaglicher Lesesessel seinen Platz finden, in dem Gemeindeglieder oder auch Besucher:innen jenseits von Veranstaltungen in Ruhe schmökern können. Die Schaffung dieser „Bücher- und Lesehöhle“ unter der Empore, die eine geborgene Atmosphäre vermittelt, ist möglich, ohne dass die Klarheit des übrigen Kirchenraums dadurch verloren geht.

Es soll künftig auch möglich sein, ein Buch als dem Bestand zu entnehmen, um es in Ruhe zuhause zu lesen. Alle Bücher werden dazu mit einem Stempel versehen, als Erinnerung, es beizeiten auch wieder zurückzubringen. (Die kleine Bibliothek ist aber nicht als Tauschbörse gedacht. Und wir bitten auch keine aussortierten Büchern dort ungefragt einzustellen.)

Nachdem wir wegen der Umbauten im Mai in Gewissenruh keine Veranstaltungen hatten, geht es mit den `Lesungen und Musik´ am 21. Juni wieder weiter.